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Lebensraum Stadt: Lebensqualität auf engem Raum

Krisen als Chance für einen Neuanfang

Die Geschichte vieler Städte wurde immer wieder von schweren Krisen geprägt. Kriege, Seuchen, Brände oder Erdbeben führten zu schmerzhaften Schicksalsschlägen und einer langen Zeit der Entbehrungen. Oft wirkten die schockartigen Ereignisse aber auch wie ein Katalysator. In kurzer Zeit wurden bestehende Strukturen an veränderte Bedingungen angepasst und hemmender Ballast über Bord geworfen. Das verhinderte den Niedergang der Stadt. Die Krise wurde als Chance für einen Neuanfang genutzt.

 

Wachsende Städte

Manche Krisen tauchen nicht plötzlich aus dem Nichts auf. Sie vollziehen sich über einen langen Zeitraum wie beispielsweise der gewaltige Mega-Trend der Urbanisierung. Weltweit verlassen die Menschen die Provinz, um in die Metropolregionen ihr Glück zu finden.

Sehen wir uns die Zahlen für Deutschland an: Nach Berechnungen der Vereinten Nationen werden in den nächsten 30 Jahren 87 Prozent der Menschen in Städten leben. Und die Folgen des derzeitigen Stadt-Land-Gefälles sind deutlich spürbar. In den Großstädten werden bezahlbare Wohnungen immer knapper und der Pendelverkehr ins Umland wächst. Das stellt die Städte vor große Herausforderungen. Noch nie haben so viele Menschen auf engem Raum zusammengelebt, wie derzeit. Die meisten Städte wurden für das heutige Bevölkerungsaufkommen, den Energiebedarf und die Verkehrsströme nicht gebaut. Jetzt werden Lösungen gesucht, um die Lebensqualität und die Widerstandsfähigkeit der wachsenden Städte zu verbessern.

 

Klimawandel

Auch der Klimawandel ist eine Krise, deren Auswirkungen von Jahr zu Jahr deutlicher werden. Hitzeperioden, Überschwemmungen oder Stürme treffen die Städte mit immer höheren wirtschaftlichen Verlusten. Dabei ließen sich viele teure Klimafolgen mit moderaten Gegenmaßnahmen verringern. Das würde zudem den CO2-Abdruck senken. Denn die Städte emittieren insgesamt rund 70 Prozent der weltweiten Treibhausgase. Metropolregionen können also Teil der Lösung sein. Und ermutigende Beispiele aus aller Welt zeigen, welche Chancen sich für die ökonomische, soziale und ökologische Stabilität der Städte eröffnen.

Manche Konzepte mögen im ersten Moment drastisch erscheinen. Der Mensch neigt dazu, Ungewohntes zunächst kritisch zu beäugen. Die Angst vor einem ungewissen Ausgang verdeckt jedoch den Blick auf das Wesentliche: in jeder Krise steckt die Chance für einen Neuanfang!

 

Wie könnte eine zukunftsfähige Stadt aussehen?

In „meiner“ Stadt der Zukunft durchbricht ein Netz aus kleinen, grünen Oasen die urbanen Betonwüsten. Diese Grünräume sorgen für ein gesundes Mikroklima, kühlen Asphalt und Fassaden, sind Rückzugsorte für Tiere und Erholungsorte für die Bevölkerung. Endlich macht das Radfahren Spaß. Auch ist das Radwegenetz komplett barrierefrei. Und das öffentliche Nahverkehrsnetz ist so attraktiv geworden, dass es sich lohnt, das Auto stehen zu lassen. Gleichzeitig erleben Industriebrachen als lebendige Wohn-Quartiere eine Renaissance. Solarpanels auf den Dächern versorgen die Quartiere zudem mit preiswertem Strom. Smarte Stromnetze steuern im gesamten Stadtgebiet die Erzeugung, die Speicherung und den Verbrauch der benötigten Energie. Selbst die Abwärme der Rechenzentren wird weiterverwertet. Sie wird ins Fernwärmenetz eingespeist – oder findet in der Nachbarschaft dankbare Abnehmer. Dadurch kann selbst die mehrstöckige Plantage beheizt werden, in der die Quartiers-Bewohner exotische Früchte anbauen. Das Leben in den Stadtvierteln ist bunt, vielfältig und gemeinschaftlich. Die meisten Menschen haben aus den Krisenzeiten gelernt. Das urbane Miteinander beruht jetzt auf zwei Grundwerten: sie heißen Respekt und Verantwortung.

Wer hätte gedacht, was eine Krise bewirken kann.